internetradio.de wurde 1999 gegründet und war der erste Sender in Deutschland der mit Videostream gesendet hat. Es ist der einzige Sender der seit der Blütezeit der New Economy sendet. Und das alles nichtkommerziell!
Als vollautomatisiertes Wunschradio gestartet, wurde 2006 das Projekt in eine andere Bahn gelenkt. Der Sender wurde in ein Full-Time Programm mit Moderatoren, Chat Admins, einer Redaktion, Stationvoice und professionellem Management umgestaltet. Hierfür zeichnete sich neben dem Gründer Rudi Singer vorallem Daniel Jonda* aus. Mit Herzblut, Fantasie und viel Know How wurde innerhalb von nur 3 Monaten eine komplette Senderstruktur geschaffen. interenetrdio.de wuchs zu einer Social Komponente und hatte auf dem Höhepunkt fast 120 aktive Teammitglieder. Neben dem Mainstream, mit dem alles angefangen hatte, wurde ein Clubstream, ein Nachwuchs-Stream (Youngstar-Channel) sowie ein Alternativ-Channel aufgebaut und durch verschiedene Projektleiter betreut.
Da das Team immer grösser wurde, musste man sich Gedanken machen, wie die Sendeleitung professionell strukturiert werden konnte. Durch ein ausgeklügeltes Regelwerk sollte die Einheit internetradio.de manifestiert und für neue Mitglieder leicht integrierbar werden. Ein grosses Team erfordert von jedem einzelnen leider nämlich auch die Bereitschaft, für das grosse Ganze auch einmal persönliche Interessen hinten an zu stellen. Das funktionierte bis zu einem gewissen Grad ganz gut, jedoch verloren einige durch das Regelwerk, dass Sie in der persönlichen Individualität einschränkte, die Motivation für das Projekt.
Und jetzt geschah etwas sehr interessantes: es wurde sich nicht still aus dem Projekt verabschiedet, sondern es wurde versucht, durch Gruppenbildung aktiv die Geschehnisse des Senders zu beeinflussen und die eigenen Interessen durch zu boxen. Es entstand grosse Unruhe innerhalb des Senders. Dadurch dass jeder (auch die Sendeleitungen und die Projektleiter) ehrenamtlich für das Projekt arbeiteten, wurde es fast unmöglich, neue Innovationen und die Weiterentwicklung des Senders voranzutreiben. Es entstanden viele kleine Baustellen und Machtkämpfe hinter den Kulissen, nebst vielen Fehlern in der Geschäftsleitung, die ebenfalls vor eine nicht bekannte Situation gestellt wurde.
Man merkte, wie wichtig jedem einzelnen das Projekt geworden war. Man wollte nicht einfach aussteigen, sondern man wollte seine Philosophie des Ganzen durchsetzen.
internetradio.de war also schon damals das Beste Beispiel dafür, dass auch eine virtuelles Projekt die gleichen Probleme bekommt, wie man diese aus dem realen Leben kennt. Je grösser der Erfolg, um so mehr identifizieren sich die Mitglieder innerhalb des Teams mit dem Projekt und man möchte nicht mehr nur ein Teil des Ganzen sein, sondern man möchte aktiv die Geschicke des Projekts beeinflussen.
Was wir damals im Projekt gelernt haben, sehen wir heute in vielen Bereichen des täglichen Lebens: Fussballfans möchten aktiv in das Vereinsleben eingreifen, Mitarbeiter einer Firma akzeptieren nicht mehr alle Vorgaben innerhalb eines Betriebes, sondern organisieren sich ohne Betriebsrat um Einfluss nehmen zu können, Menschen organisieren sich via Twitter und Facebook und bringen Ihren politischen Protest virtuell, aber mittlerweile auch sehr real durch Demonstrationen zum Ausdruck.
In der Nachbetrachtung des damaligen Projekts internetradio.de haben wir sehr viel darüber diskutiert, was wir falsch gemacht haben und welche Erfahrungen wir aus dem Ganzen ziehen müssen. Ein Projekt ist auch immer ein lerneffekt. Es war interessant zu sehen wie schnell sich in der virtuellen Welt etwas aufbauen kann, wie schnell es allerdings auch wieder vorbei sein kann. Wir fingen also ganz oben mit unserer Nachbetrachtung an. Was hat die Geschäfts- und die Sendeleitung falsch gemacht? Wie diskutierten über Basisdemokratie. Kann man grundsätzlich jeden in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen? Die Antwort ist einfach: Ja! Das Problem (und das spiegelt sich in der heutigen Gesellschaft ebenfalls wieder): diejenigen, deren Vorschläge durch eine Abstimmung als vermeintliche Verlierer dastehen, akzeptieren der Mehrheitsbeschluss nicht und versuchen trotzdem weiter Ihre Interessen weiter durchzusetzen. Hier haben wir den ersten Fehler in unserem Verhalten feststellen können: anstatt das Gespräch zu suchen, wurde auf den Mehrheitsbeschluss verwiesen und kritische Geister aus dem Projekt entfernt. Man machte es sich also einfach um die Wirtschaftlichkeit zu wahren. Es war wieder einige Wochen ruhig, bis das nächste Problem kam. Man reagierte wieder genauso. Man bekam zwar Ruhe in das Team, aber man reduzierte sich selbst immer nur auf die Wirtschaftlichkeit. Wohin das führt, sieht man nicht nur am Projekt internetradio.de. Dieses Phänomen des rationalen und wirtschaftlichen handelns erkennt man heute in vielen Bereichen des Lebens: Gewinnmaximierung durch rationales handlen. Es zählt nicht mehr der Einzelne, sondern es geht nur noch um das Grosse Ganze.
Das Projekt internetradio.de war eines der ersten Projekte seiner Art im Netz, die dieses Phänomen zu spüren bekam. Der Erfolg gab lange Zeit recht. Nur der Abstieg war vorprogrammiert. Höher, Grösser und Besser funktioniert nur Kollektiv. Und in diesem Kollektiv muss der kritische Geist genauso seine Rolle spielen wie der unkritische. Dauerhaften Erfolg und, was noch viel wichtiger ist, Spass an einem Projekt erreicht man nur miteinander. Durch Achtung und Respekt jedem Einzelnen gegenüber.
Durch dieses Wissen und durch diese Erfahrungen wollen wir das Projekt internetradio.de wiederbeleben. Man soll Spass an der Sache haben und man muss wieder miteinander sprechen! Das haben wir uns jetzt auf die Fahnen geschrieben. Es wird nicht ohne Härtefälle gehen. Aber das soll und muss die Ausnahme bleiben. Jeder soll bei internetradio.de die Chance haben mitzumachen. Jeder darf seine Stärken miteinbringen und die Schwächen werden akzeptiert. Wir wollen keine Politiker oder Stinkstiefel im Team haben. Aber jeder soll die Chance bekommen zu zeigen, dass er ein Individuum ist. Fehler dürfen ausdrücklich gemacht werden!
Durch Vielfalt voneinander und miteinander lernen.
Dadurch kann das Projekt internetradio.de wieder eine Vorreiterrolle im Netz übernehmen. In ein paar Jahren werden wir diese Strategie mit Sicherheit auch im realen Leben wieder finden. Und wir freuen uns schon heute darauf, wenn wir in ein paar Jahren sagen können: das war der richtige Weg! Erfolg wird nicht an Höhrerzahlen oder mit einem dicken Bankkonto definiert, Erfolg ist, wenn das Leben Spass macht. Das haben wir gelernt!
Aus Fehlern lernen! Also versuchen wir es noch einmal!
Wir freuen uns auf Dich!
internetradio.de - Dein Entertainmentsender im Netz!
* Daniel Jonda verstarb im Jahr 2008 plötzlich und unerwartet. Daniel, wir werden Dich nie vergessen! Du hast das Projekt neu gegründet und Du wirst immer ein Teil davon sein!
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